Kattenvenne - my home, my Hof!

Ja, Kattenvenne gibt es wirklich! Diese Frage sei vorab schon einmal geklärt. Das kleine Dorf liegt im Münsterland, fast in der Mitte zwischen Münster und Osnabrück. Heinis Dorf hatte ab dem 16. September 2006 für einige Monate wirklich den größten Kreisverkehr im Kreis Steinfurt, diesen hätte man auch einfach als Ortsumgehung drumzubauen können... aber was in den Jahrhunderten zuvor geschah - und ein paar weitere knallharte Fakten über Kattenvenne... - einfach ´mal weiter lesen!

 

Wie Kattenvenne entstand - nach F.E. Hunsche:

Bis 1650 gab es noch keinen Ortsteil Kattenvenne. Man sprach nur von einer Flur "Up`m Kattenviene", die zu der alten Lienener Bauernschaft Meckelwege gehörte. Alle Bauernhöfe in Kattenvenne werden in den Schatzungsregistern des 16. Jahrhunderts zusammen mit den Meckelweger Höfen aufgeführt. 
Die erste Besiedlung von Kattenvenne erfolgte später als in den anderen Lienener Bauerschaften, dürfte aber schon vor etwa einem Jahrtausend auf den Haarfluren begonnen haben. Ältere Eschfluren gibt es im Kattenvenner Gebiet nicht. 
Erst im 17. Jahrhundert, nach dem 30-jährigen Krieg, löste sich Kattenvenne allmählich von Meckelwege und entwickelte sich zu einer eigenen Bauerschaft.
Seitdem werden die Kattenvenner Höfe nämlich stets unter Kattenvenne, auch Kattenfenne geschrieben, in amtlichen Registern, Lagerbüchern und Hypothekenbüchern nachgewiesen.
Manche Höfe waren durch den Krieg verwüstet. Die vom Grafen Mauritz von Bentheim und Tecklenburg geförderte Hausleinenindustrie und die Leinenlegge in Tecklenburg brachten im Laufe der Jahrzehnte wieder einigen Wohlstand ins Land.
Nach 1707 wurden in der Grafschaft Tecklenburg Hausnummern eingeführt, auch in Kattenvenne.
Der Kolon Schowe aus Kattenvenne war 1761 Schützenkönig der Vogtei Lienen und deshalb ein Jahr von Steuern befreit. Dafür mußte er, wenn es erforderlich war, dem Polizeidiener in Lienen Hilfe gewähren.
Raubabbau im Kattenvenner Torfmoor veranlaßte die Regierung 1774, einen Veenmeister aus Ostfriesland um Vorschläge für einen einwandfreien Abbau des Torfes zu bitten.
Zwischen 1788 und 1809 mußten zudem Maßnahmen gegen Sandwehen getroffen werden, um die angrenzenden Äcker vor einer Verdünung zu schützen. Dämme wurden angelegt und freie Flächen mit Fichtensamen besät.
Die sogenannte "Franzosenzeit" brachte zwischen 1806 und 1813 Armut und Unfreiheit. Zwischen 1815 und 1866 waren stets drei oder vier Grenzaufseher in Kattenvenne für die Kontrolle der Grenzen zum "Ausland" Hannover und zur Verfolgung der starken Schmuggelei eingesetzt. 1821 wurden auch in Kattenvenne Chausseewegegelder erhoben. Der Weg von Lienen nach Ostbevern wurde als "Zollstraße" bezeichnet.
1832 begann die Massenauswanderung nach Übersee, hauptsächlich nach Nordamerika. Aus Kattenvenne verließen mehr als 400 Menschen ihre alte Heimat.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die alte Ortslage von Kattenvenne noch vorhanden. Die Aufteilung der Markengründe seit dem 18. Jahrhundert bis etwa 1830 hatte hier und da zwar einiges hinsichtlich der Größe und Aufteilung von Äckern, Wiesen, Ödlang und Moorflächen geändert, aber die altüberlieferte Struktur war doch erhalten geblieben und blieb meist erhalten, bis in den Jahren nach 1860 der Bau der Eisenbahn von Münster nach Osnabrück dem Kattenvenner Gebiet zu mehr Beachtung und Eigenleben verhalf. Mit dem Bau des Bahnhofs änderten sich die Verhältnisse grundlegend. Nun bekam Kattenvenne eine Bahnstation und wurde geographischer Festpunkt im Verkehrsnetz auf den Landkarten der ganzen Welt.
(Kattenvenne-Genua!)
Der Bahnbau von 1868 bis 1871 hat Kattenvenne aus einem tausendjährigen Traum gerissen und die Entwicklung der ehemaligen Flur "Up`m Kattenviene" zu einer selbständigen Kirchengmeinde eingeleitet. Dort, wo der Bahnhof sich befindet, gab es um 1865 nur öde Heideflächen mit Moorteichen und Tümpeln, die wohl durch den seit Jahrhunderten geübten Torfstich entstanden waren. 
Das erste Haus am Bahnhof, die Bahnmeisterei, wurde 1867 gebaut. 1871 war es noch ein kleines provisorisches Stationsgebäude, das 1873 beim Bau eines größeren massiven Gebäudes verschwand. Dieses massive Stationsgebäude steht heute noch.
Im Jahre 1871 baute der Bauer Ernst Neseker am Bahnübergang ein Haus, in dem Rudolf Schowe die erste Kattenvenner Wirtschaft betrieb. In den folgenden Jahren entstanden dann weitere Häuser. 
Die Bahn wurde am 1. September 1871 dem Verkehr übergeben. Nun rollten Güterzüge und Personenzüge durch den Kattenvenner Bahnhof in die weite Welt. Es war etwas neues, daß man jetzt mit einem "Biljett" in der Hand in den Zug steigen und nach Norden und Süden in rascher Fahrt nach Osnabrück und Münster und ohne große Schwierigkeiten noch weiter in die Welt hinaus gelangen konnte. Daß damals die Pferde auf den Äckern und Wagen am Bahndamm scheu wurden und vor den schwarzen fauchenden Ungetümen auf den Schienen Reißaus nehmen wollten, mußte man allenthalben in Kauf nehmen. Allmählich gewöhnten sich Menschen und Tiere an den technischen Fortschritt, und Kattenvenne wuchs friedlich weiter.
1876 baute E. Daweke hinter der Bahn eine zweite Wirtschaft. Acht Jahre später, 1884, kam Gravemeier noch dazu. In diesem Jahr wurde in der Gaststätte Daweke hinter der Bahn die erste Postagentur eingerichtet. Darum wird das Gasthaus "Zur Post" genannt.

Für das leibliche Wohl der Reisenden und Gäste, die nach Kattenvenne kamen, hatte man fürs erste genug getan. Nun dachte man an den Bau einer Kirche, die den Mittelpunkt des neu entstandenen Ortes und einer neuen selbständigen Kirchengemeinde Kattenvenne bilden sollte; weniger der Bau der Kirche als vielmehr die Festlegung der Grenzen gegenüber den Gemeinden Lienen, Lengerich und Ladbergen bereitete einige Schwierigkeiten, weil nicht alle Einwohner sofort damit einverstanden waren, Mitgleider der neuen Kirchengemeinde zu werden. Allmählich aber wurden auch diese Unstimmigkeiten mit gutem Willen überwunden.
Schon 1888, im sogenannten "Drei-Kaiserjahr", war es soweit, daß die Kirche am 5. September eingeweiht werden konnte. Am 26. Mai 1889 wurde Kattenvenne zu einer selbständigen Kirchengmeinde erklärt. Nun konnten auf den neu angelegten Friedhof östlich der Kirche auch Beerdigungen stattfinden. Am 12. Juni 1889  wurde hier der Kolon Henschen als Erster begraben. Die erste Taufhandlung hatte schon am 6. Januar 1889 stattgefunden, und am 7. Juni jenes Jahres wurde das erste Ehepaar in der Kattenvenner Kirche getraut. Der erste Pfarrer der neuen Kirchengemeinde war Adolf Philipps (1862-1904).
Schon während des Baus der Kirche errichtete Heinrich Hußmann nebenan ein Gebäude, das Wohnhaus, Geschäftshaus und Gastwirtschaft zugleich war. Damit konzentrierte sich das Gemeindschaftsleben des neuen Ortes im Laufe der Zeit mehr und mehr im Bereich der Kattenvenner Kirche. Als dann 1893 gegenüber der Kirche ein Wohnhaus für den Pfarrer gebaut wurde, konnte die erste Phase der Ortsgründung als abgeschlossen gelten.
Damit hatte sich Kattenvenne kirchlich auf eigene Beine gestellt. Eine politische Selbständigkeit aber hat es, obwohl sie ein paarmal in Erwägung gezogen worden ist, bis heute nicht erreicht. So ist Kattenvenne ein Ortsteil der politischen Gemeinde Lienen geblieben und doch ein Kirchdorf mit eigenem Charakter geworden. 
Wie Kattenvenne nach weiteren hundert Jahren aussehen wird, wissen wir nicht. Wenn man die Entwicklung seit 1870, vor allem nach dem zweiten Weltkrieg, betrachtet, kann man sagen, daß es für Kattenvenne auch in Zukunft noch gute Möglichkeiten einer dörflichen Weiterentwicklung geben kann und geben wird.
Wesentlich beteiligt an der Eigenentwicklung von Kattenvenne waren neben den kirchlichen Einrichtungen die genossenschaftlichen Bestrebungen, die schon bald nach 1888 einsetzten, z. B. die Gründung der Bäuerlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft (1903), der Molkerei (1906) und nicht zuletzt der Spar- und Darlehnskasse (1908).
1910 überfliegt der Zeppelin LZ VII Kattenvenne mit Ziel Münster. Der Wind jedoch verhindert ein Vorankommen des Luftgefährtes. Zwei bis drei Stunden lang "steht" es über Kattenvenne - zum Ernstaunen der Bewohner. Als sich die Fahrt schließlich in Richtung Osnabrück fortsetzt, stürzt der Zeppelin bei Bad Iburg ab.
Heute leben in Kattenvenne etwa 1.500 Menschen - einer davon ist Heinrich Schulte-Brömmelkamp!

 

 

 

 

 

 

 

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